Sprachen in Berlin - Jiddisch

Jiddisch entstand vor etwa 1000 Jahren aus dem Althochdeutschen und zwar vermutlich am Rhein, in der Gegend um Speyer bzw. Worms oder an der Donau, um Regensburg herum. Die Entwicklung des Jiddischen wurde entscheidend von den Juden des Mittelalters geprägt, indem sie die gesprochene Sprache ihrer Umgebung aufgriffen und diese mit hebräischen Elementen versahen. Außerdem integrierten sie Entlehnungen aus romanischen Sprachen ins Jiddische und mischten dieses mit althochdeutschen Dialekten.

Als eigenständige und deutlich vom Deutschen zu unterscheidende Sprache kann Jiddisch ab 1500 betrachtet werden. Seit dieser Zeit diente Jiddisch als gesprochene Sprache der traditionellen jüdischen Gesellschaft, der "Aschkensim", deren Mitglieder sich selbst als deutsche Juden bezeichneten. Jüdische Jungen lernten neben der jiddischen Sprache auch Hebräisch, das im Hinblick auf das Ausüben von Religion von großer Bedeutung war. Außerdem galt Hebräisch als die Sprache der Rechtsprechung sowie der gelehrten Korrespondenz. Mädchen hingegen hatten keinen Zugang zum Hebräischen, weshalb zum Beispiel Gebetsbücher aber auch Unterhaltungsliteratur für sie auf Jiddisch verfasst wurden.

Der Sprachwissenschaftler Hans Peter Althaus hat in seinem Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft 1100 Wörter zusammengetragen. Zu den bekanntesten jiddischen Wörtern im deutschen Sprachgebrauch zählen wohl "Maloche", "Schlamassel", "meschugge", "Chuzpe" und "Mischpoke". Doch auch zahlreiche bekannte Redewendungen sind dem Jiddischen entnommen, so etwa die "Macke", die man bei jemandem feststellt, das "miese" Wetter, über das man sich so gerne aufregt, der "Schmusekurs" der Regierung, den man womöglich bemängelt oder auch die Feststellung, dass jemand gut "betucht" ist.

Diskriminierung, Verfolgung, Ausweisungen und Pogromen zum Trotz, lebte eine jüdische Minderheit über die Jahrhunderte hinweg im deutschen Sprachgebiet. Aufgrund der Tatsache, dass Juden während der Zeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sowohl Landbesitz als auch die Mitgliedschaft in einer Handwerkszunft verwehrt war, verdienten sie ihren Lebensunterhalt traditionell mit dem Geldverleih sowie mit dem Handel.

Auf diese Weise kam es zu regem sprachlichen Kontakt zwischen der jüdischen Minderheit und der christlichen Mehrheit, wodurch jiddische Wörter in den deutschen Sprachgebrauch einflossen.

Seit der Aufklärung verlor das Jiddische im Westen zwar zusehends an Bedeutung, doch gab es ab dem späten 19. Jahrhundert in den Großstädten, unter ihnen vor allem in Berlin, Gruppen jüdischer Immigranten aus Osteuropa, deren Kultursprache seit dem Mittelalter das Jiddische war.