Der Einfluss des Französischen auf die deutsche Sprache
Die französische Sprache fand bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg großen Anklang an den deutschen Fürstenhöfen.
Als Vorbild für die deutschen Fürsten diente der im Jahre 1519 gewählte Kaiser Karl V., dessen Muttersprache neben dem Flämischen das Französische war. Deutsch beherrschte Karl V. hingegen nur bedingt und in erster Linie in mundartlicher Form. Dieser Tatsache war es geschuldet, dass jeglicher Schriftwechsel zwischen dem Hof des Kaisers und den anderen deutschen Fürstenhöfen vornehmlich in französischer Sprache geführt wurde.
Während der Kriegswirren in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte das geistig-kulturelle Leben im Deutschen Reich sehr gelitten, denn die allgemeine Not im Land war derart groß, dass sie jegliches Interesse an Kunst und Wissenschaft zunichte machte. Die Siegermacht des Dreißigjährigen Krieges war Frankreich und sie avancierte jetzt zum Vorbild in Sprache, Kunst, Mode und sogar in den täglichen Umgangsformen. Das Leben am französischen Königshof, die französische Gesellschaft, ebenso wie die Kunst und die Literatur Frankreichs waren nun - wie
zuvor bereits das Militärwesen - überall in Europa tonangebend. Französisch entwickelte sich zur Umgangssprache der oberen Gesellschaftsschicht, während Deutsch nur noch die einfachen Bürger, Handwerker und Bauern sprachen.
Wer besonders gebildet wirken wollte, gebrauchte zu jeder sich bietenden Gelegenheit französische Wörter, daneben auch Ausdrücke aus dem Italienischen,
seltener auch aus dem Spanischen. Das französische Vorbild setzte sich in Sprache,
Kunst, Sitte, Tracht, ja sogar in den alltäglichen Umgangsformen durch. Man orientierte sich an der Mode aus Paris.
Diese Entwicklung war unter deutschen Grammatikern und Schriftstellern schon früh auf Kritik gestoßen.
So sind die meisten der Fremdwörter aus jener Zeit entweder nie im Deutschen heimisch geworden oder sie sind, wenn sie sich über eine längere Zeit halten konnten, heute veraltet.
Geblieben sind aber zum Beispiel die französischen Verwandtschaftsbezeichnungen. Während man in früheren Zeiten die Wörter »Mutter« und »Vater« benutzte, spricht man seit der Zeit als das Französische auf ganz Europa überschwappte von Mama und Papa. Aus »Muhme« und »Oheim« wurden entsprechend Tante und Onkel sowie aus »Base« und »Vetter« Cousine und Cousin.
In Berlin und Potsdam zeugen heute vor allem noch die Namen zahlreicher Schlösser von der einstigen Vorherrschaft der französischen Sprache. So residiert der deutsche Bundespräsident im Schloss Bellevue (zu deutsch: schöne Aussicht) und in Potsdam zieht das Schloss Sanssouci (zu deutsch: Ohne Sorge) Jahr für Jahr eine Vielzahl an Besuchern in seinen Bann.